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Vier Teilnehmer im Kampf gegen die Uhr: Austernöffnen auf Zeit.

Dänische Meisterschaften im Austernöffnen und Champagnersäbeln

So verbringen wir am Limfjord unsere Sonntage: Mit Austern schlürfen und Champagner trinken.

Aber der Reihe nach.

Bei unserem letzten Besuch in Kanalfogedens Køkken hatten wir von den Dänischen Meisterschaften im "Austern Öffnen" erfahren. Und sind von Jimmi Petersen höchstpersönlich eingeladen worden. Die waren nun heute und wir mittendrin.

Der Parkplatz vor dem Museum und dem Restaurant war mit zwei Bühnen an den gegenüberliegenden Seiten ausgestattet. Dazwischen Bänke. Wo würde jetzt etwas stattfinden? Egal, wir werden es erleben.

Wir sind kurz vor 14:00 Uhr da und suchen uns einen Platz. Den werden wir aber schon bald aufgeben, zu viel gibt es zu sehen.
Zunächst mal werden nicht nur Austern geöffnet sondern auch Champagnerflaschen. Wobei "öffnen" nicht ganz richtig ist: Die werden gesäbelt.

Klack, einfach weg mit Korken und oberem Flaschenhals.

Aber dazu später. Jetzt werden erst einmal die Juroren vorgestellt. Es folgen noch eine Reihe von Erklärungen, die wir leider nicht vollständig verstehen.

Sicher ist nur: Der Gewinner des Austern Öffnens fährt zu den internationalen Meisterschaften in Galway im September.
In mehreren Gängen kämpfen dann die Wettbewerber gegeneinander.

Den Anfang macht die erste Runde des Champagneröffnens mit drei Kandidaten.

Jeder Kandidat muss auf Zeit 2 Flaschen öffnen und deren Inhalt in 12 Gläser einschenken. Dabei zählt nicht allein das Tempo sondern auch, wie gleichmäßig der Champagner verteilt ist und einige Kriterien mehr, die wir nicht kennen. Die Jury prüft das Ergebnis im Anschluss sehr kritisch.

Das Austernöffnen findet auf der gegenüberliegenden Bühne statt. Dort treten meist vier Kandidaten gegeneinander an.
Jeder Kandidat erhält einen Korb mit 32 Austern, von denen er 30 öffnen muss (wenn wir die Erklärung richtig verstanden haben). Vor Beginn des Wettbewerbs werden die Austern in einem genau markierten Arbeitsbereich hingelegt.

Dann nehmen alle ihre Arme hoch und der Wettkampfleiter zählt runter: Tre – To – Een (Drei – zwei – eins).

Auch bei dieser Disziplin kommt es nicht allein auf die Schnelligkeit an. Die geöffneten Austern müssen auf einem Tablett angeordnet sein. Auch die Präsentation wird bewertet.

Die meisten Kandidaten tragen Handschuhe, mindestens an der linken Hand, die die Auster hält. Mit der rechten Hand wird ein spezielles Messer geführt, das auf der einen Seite eine stabile Klinge für das Öffnen der Schale und auf der anderen eine leichtere Klinge für das Lösen der Muschel von der Schale hat.

Und das sind auch im Grunde die zwei Handgriffe: Auster öffnen, flache Schale wegwerfen (das wird offenbar nicht gewertet), dann das Fleisch der Muschel von der gewölbten Schale lösen. Hört sich einfach an, ist aber durchaus nicht so einfach. Denn zum einen erfordert besonders das Öffnen der Schale viel Kraft, zum anderen darf die Schale dabei nicht beschädigt werden. Einerseits weil es nicht schön aussieht, andererseits weil Bruchstücke der Schale nicht in die Auster fallen dürfen.

Und schließlich soll das Fjordwasser, das in der Muschel ist zumindest zum Teil noch erhalten bleiben. Denn es salzt die Auster und sorgt für den Geschmack.

Die Muscheln werden auf einem Tablett möglichst gleichmäßig angeordnet. Welche Kriterien sonst noch gelten, wissen wir nicht, aber das ist eigentlich auch egal.

Die geöffneten Austern werden, ebenso wie der Champagner, unter den Besuchern verteilt. Übrigens werden die Austern offenbar schlechter abgenommen als der Champagner. Woran das wohl liegt?

Na egal, wir probieren beides. Und während wir von den Austern der Bretagne nicht richtig begeistert waren, ist das bei den Limfjordaustern anders. Sie haben einen vollen Geschmack, der sich ständig ändert: Zunächst ein salziger Meerwassergeschmack, wenn man sie schließlich kaut oder zerdrückt, haben sie einen leichten Geschmack ähnlich wie geräucherter Fisch. Und man schmeckt die Auster lange nach. Wirklich lecker.

Alle, die sich diese Gelegenheit entgehen lassen, sind zu bedauern.

So genießen wir den sonnigen Nachmittag also bei Austern und Champagner. Ohne eine Øre dafür zu bezahlen. Auch Jimmi Petersen (der Chef vom Kanalfogedens Køkken) kommt bei uns vorbei, begrüßt uns noch einmal persönlich und fragt uns, ob wir uns wohl fühlen. "Perfekt" können wir nur sagen.

Ob wir interessante Fotos gemacht haben, möchte er wissen. Oh ja, einige sehr gute durchaus. Das Licht für die Fotos ist zwar nicht ideal (wegen des Gegenlichts bzw. des unterschiedlichen Lichtes auf der Bühne), aber das kann man nachbearbeiten.

Er wünscht uns noch viel Spaß. Wir finden diese Aufmerksamkeit sehr nett.

Nach den ersten Läufen findet unter den fünf besten Austernöffnern noch ein Finalgang statt. Dann ist Zeit für die Siegerehrung. Was wir sehr nett finden: Jeder Teilnehmer bekommt eine Aufmerksamkeit, auch wenn er der letzte war.

Es wird auch jeweils die beste Präsentation mit einem Extrapreis belohnt, unabhängig von der Zeit. Das Austernöffnen gewinnt Simon Tønsager aus dem Restaurant "Den Røde Cottage" in Klampenborg, der die 30 Austern in 2 Minuten und 25 Sekunden geöffnet hat.
Er erhält ein Ticket zu den internationalen Meisterschaften im September in Galway.

Das Champagneröffnen gewinnt Jones Steen Jensen, der im Restaurant eines Schiffes der DFDS Seaways arbeitet.

Fazit: für uns ein lustiges Spektakel, bei dem man auch einmal Dinge probieren kann, die man sonst nicht jeden Tag in den Mund bekommt.

  • Stand des Berichtes: August 2008
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