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Neu: Was wid aus Rubjerg Knude?

Der Angelkutter "Solea" in Anfahrt auf den Liegeplatz.

Ausfahrt mit Kutter "Solea"

Nun endlich ist es soweit, dass wir uns auf See begeben werden, um den Dorschen nachzustellen. Seit Montag bemühen wir uns um eine Ausfahrt, jetzt am Freitagabend wird es endlich klappen. Wir haben die 8 Stunden Nachmittagsausfahrt gebucht.

Wir sind viel zu früh da, aber bald kommen die ersten weiteren Angler. Und schließlich taucht, mit ein paar Minuten Verspätung, auch das Boot auf.

Beim Einsteigen die erste Irritation. Sinnvoll ist ja durchaus, zuerst aussteigen zu lassen, aber einige "neue" Angler können sich trotzdem an Bord schleichen und Plätze belegen. Der Rest wird vom Kapitän recht unfreundlich zurück gepfiffen.

Als wir uns unseren Platz ausgesucht hatten, werden wir von zwei der "Vorprescher" noch angemacht, wir sollten doch etwas mehr Abstand zu ihnen halten. Das haben wir gerne, erst unfair vordrängeln und dann noch Ansprüche stellen. Wir brauchen auch unseren Platz und wo wir eine Lücke lassen, ist unsere Sache.

Schließlich sind aber alle an Bord und es geht los. Eine Angel haben wir mitgebracht, die andere leihen wir uns.

Das Leihgerät ist in einem gerade noch akzeptablen Zustand. Etwas wenig Schnur auf der Rolle, zum Teil die Rollenhalter locker.

Auf der Hinfahrt unterhalten wir uns mit einem Angler, der zum ersten Mal angelt, wie er sagt. Wir erklären ihm also recht genau, was er tun muss, dass er nicht wirklich auswerfen muss sondern nur "runterrollen" und dass er pumpen muss, wenn er einen Fisch dran hat.

Das Boot ist insgesamt sehr sauber, hat den Laderaum ausgebaut als Aufenthaltsraum. Da der fensterlos ist, muss man allerdings total seefest sein, um die Ausfahrt dort zu verbringen. Auch ist die Luft natürlich nicht die beste. Auf jeden Fall kann man aber seine Sachen hier trocken abstellen.

Ein weiteres dickes Plus gibt es für die Filetieranlage auf dem Schiff. Die hat sogar fließendes Wasser und der Abfall wird gleich von Bord gespült. Geniale Idee. Natürlich ist deswegen das Schlachten an Deck auch verboten.

Jedem Angler steht eine Fischkiste für den Fang zur Verfügung. Außerdem ist ein großer Behälter Eis an Bord, aus dem man sich bedienen und seinen Fang kühlen kann.

Das Schiff macht mit seiner starken Dieselmaschine auch gut Fahrt. Kurz und gut: Das Schiff ist wirklich top.

Nach rund zweieinhalb Stunden Fahrt nach Nordwesten ist schließlich der erste Angelplatz erreicht. Ein kurzes Hupen ist das Signal zum Auswerfen.

Mit unseren 300g Pilkern erreichen wir den Boden in rund 30m Tiefe auch schnell und problemlos. Außerdem hält der Kapitän gut Position, sodass sich die Leinen kaum vom Einwurfpunkt wegbewegen.

Allerdings erfährt man nicht, wie tief es gerade ist und auch nicht, welche Fische wo stehen. Einige an Bord angeln auf Makrelen, die stehen nicht immer direkt über Grund.

Axel kann einen der ersten Dorsche überhaupt fangen. Das ging wirklich schnell. Pilker runter, ein zweimal pilken und schon ist der erhoffte Widerstand da. Ein guter Dorsch mittlerer Größe liegt an Deck. Danach bleiben wir leider lange Zeit erfolglos. Beide verlieren wir Fische, darunter auch richtig gute.

Die bei Kott gekauften Beifänger (Tintenfischimitationen) sind nicht sehr fängig. Andere haben mit kleineren Beifängern wie Twistern o.ä. mehr Erfolg.

In der Zwischenzeit fängt auch unser Anfänger – Nachbar seinen ersten Dorsch. Immerhin, Tag gerettet.

Rechts neben uns wird mit Garnelen an einem leichteren Gerät geangelt. Ist sicherlich auch nicht schlecht, auch kleinere Dorsche liefern hier einen guten Kampf.

Allerdings wirken diese Angler auf uns etwas überzogen ehrgeizig. Ok, sie wollen Fisch fangen. Wir auch. Aber muss man uns deswegen anbläffen, wenn sich die Schnüre verfangen. Es ist nun mal eng auf dem Schiff und wir hatten schon mit rechts und links Schnurverwicklungen.

Axel wechselt schließlich auch auf kleinere Beifänger, während Uschi auf Makrele umrüstet. Es ist ihr zu anstrengend die schweren Pilker im Wasser zu bewegen.

Mit den kleineren Beifängern ändert sich das Bild schnell. Axel hat gleich wieder Bisse, kann aber keinen landen. Irgendwie wie verhext.
Immer wieder Hänger. Wir verlieren auch ein paar Pilker und jeder auch mal das komplette Geschirr.

Doch schließlich - der lange erhoffte Biss. Und der Fisch ist wirklich gut, das merkt man gleich. Er schlägt schwer an der Rute und zieht gleich Richtung Grund. Das versucht er noch ein paar Mal. Nur konsequentes Pumpen kann ihn nach oben bringen.

Leider findet sich keiner zum Gaffen. Eigentlich sollte ein Gaffer an Bord sein. Aber von dem war während der gesamten Tour nichts zu sehen. Und die erfahrenen Angler neben uns (die mit den Garnelen) winken nur unwirsch ab: Sie hätten zu tun. Tolle Kameradschaft. Dabei hatten sie vorhin selbst ein Gaff gebraucht und da hat ein Angler aus der Nachbarschaft geholfen.

So nimmt Uschi beherzt das Gaff. Und nach einigen wiederum gebläfften Worten wie "Das Gaff ins Wasser" hat sie den Dorsch schließlich "aufgespießt". Und schon zappelt er an Deck. Wir messen und wiegen ihn nicht, aber er hat sicher über 2 Kilogramm. So sind wir wieder verwöhnt. Er ist übrigens außen gehakt: Oben am Kopf hat sich der Drilling vom Pilker festgesetzt.

Kurz darauf kann Axel noch einen dritten Dorsch landen, etwas kleiner als der erste. Uschi hakt zwei Makrelen, kann aber nur eine landen. Dann ist der Törn vorbei und wir sind mit der Bilanz nicht ganz unzufrieden.

Ein Gutes hat es: Die Fische sind schnell ausgenommen und in Beutel verstaut. Die Rückfahrt genießen wir an der Reeling.

Es wird langsam kalt, aber das merken wir eigentlich erst kurz vor dem Hafen. Die Sonne geht unter und am Horizont sieht man bereits das Licht des Leuchtturms Lyngvig. Wir werden ihn die ganze Zeit im Auge behalten können. Dann geht in einem blutroten Fleck der Mond auf. Er ist leider nur kurz zu sehen, ehe er in den Wolken verschwindet. Dennoch sind wir Landratten ganz froh, als wir gegen 23:30 Uhr wieder festen Boden unter die Füße bekommen.

Fazit: Das Boot ist top, aber die Mannschaft kann sich noch deutlich steigern. Im Grunde war von ihr während des gesamten Törns nichts zu sehen. Anfänger hätten sich vielleicht über den einen oder anderen Tipp gefreut.
Beim Fangen größerer Fische wäre es schön gewesen, wenn gleich jemand von der Besatzung mit Gaff bereit gestanden hätte. Von dem versprochenen Filetierservice war ebenfalls nichts zu sehen.

Quellen und Links

  • Stand des Berichtes: August 2008
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