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Neu: Unser Jahresprojekt 2015: Ein Film über Dänemark

Klein aber sehr lehrreich: Die Sternwarte in Überlingen.

Sternwarte Überlingen - Vortrag bei schlechtem Wetter

Wir besuchen die Sternwarte am Abend eines trüben Dezembertages. Wir werden bereits von Herrn Wüst erwartet. Aufgrund des bedeckten Himmels treffen wir uns zunächst in der "Villa Kunterbunt".

Die Überlinger Sternwarte wurde in den 1950iger Jahren vom Überlinger Bürger Bruno Müller errichtet. Er ist kürzlich (2005) knapp 98 jährig verstorben. Mittlerweile wird die Sternwarte von einem Verein betrieben. Er hat ca. 25 Mitglieder, von denen etwa die Hälfte aktiv ist.

Die Sternwarte war beim Bau der nahe gelegenen Wiestorhalle im Weg. Dass sie weiter existiert verdankt sie nicht nur ihren fleißigen Mitgliedern sondern auch der Tatsache, dass sie im Jahr immerhin rund 1.500 Besucher zählt.

Die Sternwarte selbst haben wir im Anschluss besucht und unsere Eindrücke dort in einem eigenen Abschnitt weiter unten beschrieben.

Veranstaltungen wie die heutige finden jede Woche Freitag statt, bei jedem Wetter. Auch im Sommer, wenn viele Sternwarten schließen (weil man lange auf genügend Dunkelheit warten muss), macht die Sternwarte Überlingen weiter. Insbesondere bei Schulklassen findet das Angebot dann Anklang.
Bei bedecktem Himmel, wie heute, wird mit Hilfe eines Planetariumprogramms der aktuelle Sternenhimmel erklärt.

"Stellen Sie sich vor, ein Außerirdischer ruft Sie an und Sie sollen ihm den Weg zu Ihnen erklären. Was sagen Sie dann?"

Mit dieser durchaus praktischen Fragestellung beschließt Herr Wüst seinen Vortrag, der zuvor über den aktuellen Sternenhimmel führte, die verschiedensten Sternbilder erklärte, den Nordpolarstern zeigte und erklärte, warum dieser seine Position nicht ändert: Er steht in der Verlängerung der Erdachse nach Norden. Und da die tägliche Bewegung der Sterne auf die Drehung der Erde um die Sonne zurückzuführen ist, bewegt sich der Polarstern, wie alles was sich entlang der Drehachse befindet, nicht.

Mehr wollen wir hier aber nicht verraten: Nicht, wie man den Polarstern findet, wo sich das Reiterlein befindet und auch nicht, was der Große Bär mit dem Großen Wagen zu tun hat.

Eines der schönsten Wintersternbilder, wenn nicht das schönste, ist sicherlich Orion. Auch dieses wird uns nahe gebracht.

Ein weiteres Thema sind die Dimensionen im Kosmos. Wenn die Sonne so groß wäre wie ein Gymnastikball, wie klein wäre dann die Erde? Und wo müsste man sie in diesem Modell positionieren? Und wo würde sich in diesem Maßstab der nächste Fixstern (Alpha Centauri) befinden?

Auflösung: Die Erde wäre ca. erbsengroß, hätte 70m Entfernung von der Sonne und Alpha Centauri befände sich in Australien.

Oder: Was hat es mit dem Satz: "Mein Vater erklärt mir jeden Samstag unsere neun Planeten." auf sich? (Merkur – Venus – Erde – Mars – Jupiter – Saturn – Uranus – Neptun – Pluto die Reihenfolge der Planeten von innen nach außen). Anm.: Als wir in der Sternwarte waren, hatte Pluto noch seinen Planetenstatus.

Es gibt viele weitere Dinge zu erfahren. Einige davon haben wir am Ende dieses Beitrages zusammengefasst.

Das Programm mit dem der Himmel gezeigt wurde ist übrigens kostenlos und kann auf www.stellarium.org heruntergeladen werden.

Sternwarte Überlingen - Die Warte selbst

Wir hatten natürlich gehofft, einmal live einen Blick auf unseren Sternenhimmel durch ein Teleskop werfen zu können. Da machte das Wetter leider einen Strich durch die Rechnung. Das hält uns aber nicht davon ab, noch einen Blick auf die Sternwarte selbst zu werfern.

Es handelt sich um ein kleines Häuschen, ein paar Meter abseits der Villa Kunterbunt. Es ist rund und mit der typischen Sternwartenkuppel versehen. Die Kuppel hat einerseites den Vorteil, dass man recht gut vor Wind geschützt ist. Andererseits kann man immer nur einen kleinen Teil des Himmels einsehen, wodurch ein umfassender Überblick erschwert wird.

Die Sternwarte verfügt über ein Fernrohr, das ca. 2m lang ist und ein Objektiv mit 15 cm Durchmesser hat. Damit ist eine 200 fache Vergrößerung möglich. Zusätzlich gibt es ein kleineres Fernrohr, das durch seine kleinere Vergrößerung einen besseren Überblick ermöglicht. Es wird deshalb auch als "Finderfernrohr" bezeichnet. Wenngleich es heute nicht mehr zwingend erforderlich ist, weil sich die genaue Position von Himmelskörpern mit Computerprogrammen bestimmen lässt und diese Position dann nur noch auf dem Fernrohr eingestellt werden muss.

Es sei noch einmal darauf hingewiesen, dass die Sternwarte wirklich ein Eigenbau ist. Angefangen vom Betonsockel über die Außenwand bis hin zur Kuppel (kunststoffverstärkte Glasfaser) ist alles durch Herrn Müller oder andere Mitglieder des Vereins gebaut worden. Selbst das Fernrohr stammt nicht aus industrieller Produktion.

Entsprechend finden sich einige kuriose Lösungen. So wird z.B. die Kuppel der Sternwarte mittels eines Handrades gedreht. Auch der Schlitz lässt sich so öffnen. Das Fernrohr muss automatisch dem sich bewegenden Sternenhimmel nachgeführt werden. Ansonsten würde man bei der vorliegenden Vergrößerung nicht viel beobachten können. Dies ist über einen Mechanismus geregelt, der ähnlich einer Kuckucksuhr funktioniert: Durch ein Rad wird ein Gewicht gehoben und dies erzeugt in einer Art Uhrwerk eine Bewegung, die über verschiedene Übersetzungen auf das Fernrohr übertragen wird.

Um nicht immer zwei Achsen bewegen zu müssen, gibt es eine Achse, die analog zur Erdachse geneigt ist und deswegen reicht es, das Fernrohr um diese Achse zu bewegen, um einem Punkt am Himmel zu folgen.

Zu guter Letzt noch ein Tipp für alle, die sich selbst ein Fernrohr zulegen möchten: Die entsprechende Vergrößerung ist nicht das Problem, sie lässt sich heute schon in ansprechender Qualität für wenig Geld produzieren. Wichtig ist das Stativ. Denn je höher die Vergrößerung, desto mehr wirken sich Erschütterungen aus. Außerdem muss es einfach möglich sein, das Fernrohr am Himmel nachzuführen. Hier sollte man also auf eine gute Mechanik achten.

Uns hat es sehr gefallen, es war sehr lehrreich und doch nicht langweilig. Deswegen empfehlen wir den Besuch gerne weiter.

Weitere Fragen und Antworten

Welche Bewegungen gibt es, die unseren Sternenhimmel beeinflussen:

  • Drehung der Erde um die eigene Achse: dauert einen Tag.
  • Bewegung der Erde um die Sonne: dauert ein Jahr.
  • Taumelbewegung der Erde: dauert ca. 25.000 Jahre
  • Umlauf der Sonne um das Zentrum der Milchstrasse: dauert 250 Mill. Jahre.

Was sind Sternschnuppen?

  • Es handelt sich um Staubkörner (nicht schwerer als ca. 1 g), die zum großen Teil von Kometen stammen.
  • Der Staub löst sich aus den Kometen, wenn diese in Sonnennähe gelangen.
  • Jährlich im August kreuzt die Erdbahn die Bahn eines solchen Kometen und deswegen ist um diese Jahreszeit mit besonders vielen Sternschnuppen zu rechnen.
  • Stand des Berichtes: Januar 2006
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